Mit Neurofeedback die eigene Gehirnleistung steuern: Hilfe für den Zappelphilipp und bei Spitzenleistungen

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Immer mehr Menschen versuchen mit Entspannungstechniken wie Yoga oder Qi Gong ihre Konzentrations- oder Leistungsfähigkeit zu verbessern oder Körper und Geist „in Einklang“ zu bringen. Für Menschen, denen Yoga zu zeitaufwändig oder zu anstrengend ist, gibt es eine moderne und wissenschaftlich akzeptierte Alternative: Das so genannte EEG-Neurofeedback wirkt „im Prinzip wie Yoga – nur schneller, einfacher, kontrollierbar und vor allem messbar“, sagt der Diplom-Psychologe Dr. Axel Kowalski, der sich an der Universität Tübingen über Jahre mit dem Thema befasst hat.

„Neurofeedback ist reines Gehirntraining“, sagt Dr. Kowalski. „Die Teilnehmer lernen, wie sie aktiv auf ihre Hirnleistung Einfluss nehmen können.“ Erfolgskriterium ist dabei, anders als beispielsweise bei Yoga, nicht allein das subjektive Befinden, sondern die sichtbare und messbare Veränderung der Hirnaktivität. So können Manager könnten ihre Konzentrations- und Sportler ihre Leistungsfähigkeit messbar steigern, aber auch Kinder mit der Diagnose ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit- und Hyperaktivitäts-Syndrom) können lernen, sich ohne Medikamente in Schule und Spiel zu konzentrieren.

Dr. Kowalski: „Die Hirnströme der Trainingsteilnehmer oder Patienten werden per EEG erfasst und bildlich auf einem Computermonitor dargestellt. Unter Anleitung eines erfahrenen Psychologen lernen die Patienten, wie sie die bei ADHS typischen Wellenmuster jederzeit in den „Normalzustand“ bringen können. Dabei üben die einen, wie sie durch die Kraft ihres Gehirns ein Segelboot über den Computerbildschirm fahren lassen, anderen hilft ein Superman-Video, das nur erscheint, wenn sie sich richtig entspannen.“

Das besondere an dem neuen Angebot: Die Behandlung mit dem so genannten EEG-Neurofeedback versetzt die Patienten dauerhaft in die Lage, ihre Erkrankung selbstständig in den Griff zu bekommen – und dabei auf die heute übliche Medikamentierung ganz oder weitgehend zu verzichten.

Dr. Andreas Krombholz hat sich an der Universität Wuppertal in Forschung und Lehre mit den Möglichkeiten des Neurofeedbacks auseinander gesetzt. „Durch zahllose Studien ist längst bewiesen, dass jeder Mensch in der Lage ist, seine Gehirnaktivität selbst zu steuern. Patienten mit der Diagnose ADHS, die z. T. seit Jahren mit Medikamenten behandelt wurden, haben mit EEG-Neurofeedback eine alternative, sanfte Therapiealternative.“

Zwar wird Neurofeedback z. B. an der Universität Tübingen systematisch erforscht, in der Praxis ist es in Deutschland bislang aber wenig verbreitet – und bei den meisten existierenden Anbietern fehlt das notwendige Wissen in der physiologischen Psychologie, die für eine Interpretation der Wellenmuster notwendig ist. Deshalb will Dr. Kowalski gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Andreas Krombholz, der sich an der Universität Wuppertal auch mit der Demenzprävention durch Neurofeedback befasst, die qualifizierte Ausbildung und Anwendung von Neurofeedback fördern.

Das Interesse daran ist groß, gerade weil die medikamentöse Therapie von ADHS stark zugenommen hat und von Eltern wie Ärzten zunehmend skeptisch gesehen wird: In ihrer Anfang 2008 in Hagen gegründeten Fortbildungsakademie lassen sich Psycho- oder Ergotherapeuten, aber auch Mediziner als Neurofeedback-Therapeuten und -Trainer ausbilden. Parallel dazu sammeln sie in ihrer eigenen Praxis und gemeinsam mit Universitäten Erfahrungen und Daten, mit denen die wissenschaftliche Bewertung des Verfahrens auf eine noch breitere Grundlage gestellt und neue Anwendungsgebiete erschlossen werden können.

„Die Möglichkeiten von EEG-Neurofeedback sind gerade in Deutschland bei weitem noch nicht ausgereizt“, weiß dann auch Dr. Kowalski. Gerade in den USA, wo das Verfahren schon länger etabliert ist, gebe es sehr gute Ergebnisse nicht nur bei ADHS, sondern bei Angststörungen oder Stresssymptomen – und zahlreiche Profisportler (Golfer, Tennisspieler aber auch die Spieler des AV Mailand) schreiben ihre Top-Leistungen nicht zuletzt dem EEG-gestützten Hirnleistungstraining zu.