Wenn’s dunkler und die Laune schlechter wird - Licht beeinflusst das Wohlbefinden
Die einen fliegen in den Süden und kommen erholt und gut gelaunt zurück, andere verbringen den Spätherbst und Winter in Deutschland und sind verstimmt. Rund 20 Millionen Deutsche leiden nach Schätzung von Experten in der dunklen Jahreszeit an einer leichten Winterdepression. Ein ungewöhnliches Schlafbedürfnis, Heißhunger auf Süßes und eine schnelle Gewichtszunahme können Anzeichen für eine „Saisonal Abhängige Depression“ (SAD) sein.
Für viele Menschen ist eine Reise in den sonnigen Süden die beste Vorbeugung. Aber auch in heimischen Gefilden muss man nicht in Düsternis verfallen – das Spektrum reicht von regelmäßigen Spaziergängen bis zur so genannten Lichttherapie, mit der die Symptome behandelt werden können.
Die Wissenschaft befasst sich seit den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts intensiv mit der Wirkung von Licht auf den Menschen. Als nachgewiesen gilt mittlerweile, dass das Auftreten der so genannten Herbst- und Winterdepression im Zusammenhang mit den kurzen Wintertagen und dem daraus resultierenden Mangel an natürlichem Licht steht.
Wissenschaftler und Mediziner sind sich einig, dass Licht den Biorhythmus des Menschen beeinflusst. Schlaf, Appetit und das allgemeine Wohlbefinden werden durch die innere Uhr bestimmt, die wiederum durch die Länge der Tage gesteuert wird. Wenn im Herbst und im Winter die Tage kürzer werden, dann bewirkt der Lichtmangel eine höhere Produktion von Melatonin. Dieses Hormon ist u. a. für die Regulierung des Schlafbedürfnisses zuständig und sorgt dafür, dass wir müde werden, wenn es dunkel ist. Mediziner haben festgestellt, dass ein langfristig erhöhter Melatoninspiegel zu Depressionen führen kann, weil dem Körper auch am Tag signalisiert wird, dass Nacht ist.
Das wird verstärkt durch die Tatsache, dass die meisten Menschen die wenigen hellen Stunden des Tages in Wohnungen und Büros verbringen. Deshalb gilt: Schon ein Spaziergang an der frischen Luft an einem sonnigen Herbst- oder Wintertag kann helfen, Depressionen entgegenzuwirken. Auch gelegentliche, wohldosierte Besuche im Solarium können die schlechte Laune vertreiben.
Wenn die schlechte Laune aber in Depression übergeht, kann die Lichttherapie helfen. Dabei wird die innere Uhr durch die künstliche Lichtzuführung beeinflusst. „Der Lichteinfall stimuliert die Netzhaut des Auges und löst eine Ausschüttung von bestimmten Stoffen, so genannten Neurotransmittern aus, die stimmungsaufhellend wirken“, erklärt Dr. Wolfram-Emanuel Severus, Arzt in der Ambulanz an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in München.
Seit zehn Jahren ist dort die Therapie mit Licht etabliert. „Ein großer Vorteil dieser Therapie ist, dass sie nur sehr geringe Nebenwirkungen hat, sich gut in den Tagesplan einbauen lässt und die Patienten die künstliche Lichtbestrahlung auch als auch geeignete Therapie für ihr Leiden akzeptieren“, sagt Dr. Severus.
In den Monaten September bis November, wenn die Anzahl der Sonnenstunden immer weniger wird, kommen die ersten Patienten in die Münchner Klinik. Bei der Lichttherapie handelt es sich nicht um eine Standardtherapie der gesetzlichen Krankenkassen. Es lohnt sich für Patienten aber bei ihrer Krankenkasse nachzufragen, ob die Therapiekosten übernommen werden.
Ob tatsächlich eine „Saisonal Abhängige Depression“ vorliegt und welche Therapie ratsam ist, kann nur durch einen Arzt festgestellt werden. Wichtig: Vor Therapiebeginn sollte zudem ein Augenarzt aufgesucht werden, um Augenkrankheiten auszuschließen, die durch die Behandlung ausgelöst oder verstärkt werden könnten.
[Quelle: BKK-Bundesverband]
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