Ernährungsinitiativen

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Ernährung ist nicht nur lebensnotwendig bzw. wesentlich für das Wohlbefinden, sondern hat zudem eine wichtige kulturelle und soziale Bedeutung. Die Ernährung ist außerdem ein bedeutender Faktor für Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit. Die primäre Funktion von Ernährung ist die Bereitstellung von Energie und lebensnotwendigen Körperbausteinen. Das Ernährungsverhalten beeinflusst entscheidend die Aufrechterhaltung der Gesundheit sowie die Vorbeugung und den Verlauf von Erkrankungen.

Nach Schätzung der WHO sind über 19 % der Magen-Darm-Krebserkrankungen und mehr als 31 % der ischämischen Herzkrankheiten und 11 % der Schlaganfälle weltweit auf den geringen Verzehr von Obst und Gemüse zurückzuführen. Dies stellt auch die Ursache für annähernd 4,9 % der jährlichen Todesfälle (insgesamt 2,7 Mio.) dar (World Health Report 2002).

 

Ernährung und Erkrankungen – Situation in Deutschland
In Deutschland sind die Ernährungsgewohnheiten vor allem durch ein Übermaß und eine teilweise falsche Zusammenstellung der Nahrung geprägt. Die Ernährungsabhängigkeit einzelner Krankheiten ist hierbei unterschiedlich zu bewerten. Vitaminmangelkrankheiten werden in der Regel allein durch Fehlernährung verursacht. Hingegen sind an Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems auch genetische Faktoren, Bewegungsmangel, Rauchgewohnheiten usw. beteiligt. Die Definition einer Krankheit als ernährungsabhängig setzt u. a. die Mitverursachung durch Ernährungsgewohnheiten, die Möglichkeit der Vorbeugung durch Vermeiden von Fehlernährung oder die Möglichkeit der Behandlung durch Ernährungsmaßnahmen voraus. Zu den ernährungsabhängigen Erkrankungen zählen z. B. Diabetes mellitus, Gicht, Fettstoffwechselstörungen, Karies, Osteoporose, Lebensmittelinfektionen, Bluthochdruck, ischämische Herzkrankheiten, Erkrankungen der Hirn- und anderer Gefäße, bösartige Neubildungen der Speiseröhre, der Leber, des Darms, des Magens und anderer Organe. Die Ernährung ist jedoch nicht nur (Mit-)Verursacherin von Krankheiten, sondern kann Krankheiten auch vorbeugen. Zum Beispiel kann, unter Berücksichtigung anderer Faktoren, dem Übergewicht durch eine bedarfsangepasste Energie- und Fettzufuhr vorgebeugt werden. Von Bedeutung ist auch der regelmäßige und abwechslungsreiche Verzehr von frischem Obst und Gemüse, der das Erkrankungsrisiko für verschiedene chronische Krankheiten vermindert.

Das Ernährungsverhalten der Menschen, d.h. was, wie viel, wo und mit wem wir essen und trinken, ist integraler Bestandteil unseres Lebensstils. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) nimmt an, dass dieser Zusammenhang auch erklären könnte, warum Ernährungsweisen häufig so resistent gegenüber Änderungsbemühungen sind. Denn eine Änderung von Essen und Trinken erfordert häufig eine Veränderung des gesamten Lebensstils und damit der gesamten Alltagsroutinen eines Menschen. Die Entwicklung zu einer immer höheren Lebenserwartung in Deutschland hält weiter an. Trotzdem liegt Deutschland im europäischen Vergleich der Lebenserwartung nur im Mittelfeld. Übergewicht / Adipositas sind bedeutende, etablierte Risikofaktoren für Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bestimmte Krebsarten und Diabetes mellitus.

In Deutschland sind die Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bösartige Tumore weiterhin die häufigsten Todesursachen. Diese beiden chronischen Krankheiten sind für 68 % der in Deutschland registrierten Todesfälle verantwortlich. Die Rolle der Ernährung bei der Entstehung chronischer Krankheiten ist gut belegt. Unter den beeinflussbaren Risikofaktoren nimmt die Ernährung neben dem Rauchen eine herausragende Stellung ein.

 

1. Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie koronare Herzerkrankungen und Schlaganfälle sind für 50 % der in Deutschland registrierten Todesfälle verantwortlich. Es wird geschätzt, dass ein Drittel der durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachten Todesfälle mit dem Ernährungsverhalten in Verbindung stehen.

 

2. Diabetes mellitus Typ II
In Deutschland erkranken jährlich ca. 350.000 Menschen an Diabetes. Der überwiegende Teil (ca. 90 %) erkrankt an Diabetes Typ 2, der so genannten Altersdiabetes, die ursprünglich ältere Menschen betraf, an der aber immer häufiger, bedingt durch Ernährungs- und Lebensgewohnheiten, auch jüngere Menschen erkranken. Die Zahlen sind alarmierend: In den letzten 20 Jahren ist die Zahl der Diabetiker weltweit mit insgesamt 194 Millionen auf das sechsfache angestiegen, wobei diese Zahl nur die entdeckten, also diagnostizierten Diabetiker misst (BKK Gesundheitsreport 2006). Das Risiko, an Diabetes zu erkranken wird hauptsächlich von Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Alkohol, körperliche Bewegung und dem damit verbundenen Körpergewicht beeinflusst. Aus den Ergebnissen des Mikrozensus 2003 geht hervor, dass Übergewicht in der bundesdeutschen erwachsenen Bevölkerung stark verbreitet ist. Es zeigt sich, dass nur etwa ein Drittel der männlichen Bevölkerung als normalgewichtig zu klassifizieren ist, bei den Frauen ist es etwas weniger als die Hälfte. Etwa die Hälfte der Bevölkerung ist mindestens übergewichtig, wobei ca. 14 % der Männer und 12 % der Frauen als adipös (BMI > 30) zu bezeichnen sind (Statistisches Bundesamt 2004).

 

3. Krebserkrankungen
In Deutschland erkranken jährlich mehr als 400.000 Frauen und Männer an Krebs, und über 200.000 der Patienten versterben jährlich an den Folgen ihrer Krebserkrankung. Maligne Neubildungen stellen damit in Deutschland sowohl bei Frauen als auch bei Männern nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache dar (GEKID 2006). Nach den Darstellungen des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DifE) und dem World Cancer Research Fund (WCRF) könnten viele Krebserkrankungen vermeidbar sein. Richtige Ernährung und ein gesunder Lebensstil wirken dabei risikosenkend. Demnach sind etwa 30 bis 40 % der Krebsfälle durch eine gesunde und ausgewogene Ernährungsweise, verbunden mit körperlicher Bewegung und der Vermeidung von Übergewicht vermeidbar. Weltweit sind das jährlich 3 bis 4 Millionen Erkrankungen (DifE & WCRF 1999). Für Deutschland wären das rechnerisch rund 130.000 bis 170.000 Krebsfälle weniger.

 

Interventionen am Arbeitsplatz
Die Menschen verbringen einen Großteil ihrer Zeit am Arbeitsplatz, demzufolge haben auch Unternehmen einen großen Einfluss auf die Ernährungssituation ihrer Beschäftigten, die sie durch verschiedene Maßnahmen positiv beeinflussen können. So z.B.:

  • Ausrichtung der Betriebsverpflegungs-Angebote an den jeweils aktuellen Ernährungsempfehlungen und -Beratungsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), ggf. Schulung des Küchenpersonals
  • Erhöhung der Inanspruchnahme gesundheitsgerechter Betriebsverpflegungs-Angebote (durch Aktionswochen, Informationskampagnen etc.)
  • Analyse der bestehenden Verpflegungssituation im Betrieb
  • Optimierung der Essensausgabe-Verfahren zur Erhöhung der Wahlmöglichkeiten und Verkürzung der Wartezeiten
  • Abstimmung der Öffnungszeiten der Verpflegungs-Einrichtungen an die Bedürfnisse und Arbeitszeiten der Beschäftigten (bei Schicht- und Wochenendarbeit); bedarfsgerechte, ansprechende Gestaltung der Sozialräume
  • Beeinflussung des Ernährungsverhaltens im Betrieb über die Preisgestaltung und Ausgabepraxis

[Quelle: BKK-Bundesverband]