Bloß nichts verkneifen: Mit natürlichen Mitteln zu einer gesunden Verdauung
Verstopfung, Blähungen, Durchfall sind auf dem Weg, zu Volksleiden zu werden – schätzungsweise bereits 30 Prozent der Deutschen haben damit regelmäßig Probleme. Schuld sind die von Hektik und Stress geprägten Lebensbedingungen und natürlich veränderte Ernährungsgewohnheiten. Zu viele Menschen ernähren sich gedankenlos und ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse ihres Körpers, zu wenige Menschen nehmen sich die Zeit, in Ruhe zu essen und jeden Bissen gut zu kauen – und dem natürlichen Drang eine entspannte Sitzung auf der Toilette folgen zu lassen. Dabei ist ein funktionierender Stoffwechsel Grundvoraussetzung für Gesundheit, Wohlbefinden und Fitness.
„Die meisten Menschen nehmen sich einfach viel zu wenig Zeit zum Essen“, sagt Claudia Witzki, Ernährungswissenschaftlerin aus Hilden. Doch Zeit braucht man für gutes wie für gesundes Essen: Je länger die Nahrung gekaut wird, desto mehr Magensaft wird produziert – und der ist wichtig, damit die Nahrung so „verarbeitet werden kann, dass der Darm sie gründlich verdauen kann. Und auch für den Gang zur Toilette sollte immer Zeit sein, ansonsten droht oft sogar eine schmerzhafte Verstopfung.
Notwendig für eine gesunde Darmflora und problemlose Verdauung sind vor allem Ballaststoffe, also unverdauliche Nahrungsbestandteile, die trotzdem verschiedene Funktionen im Darm übernehmen bzw. fördern. Doch gerade der beliebte Imbiss (Fast Food) zwischendurch erhält davon oft zu wenig und stattdessen zu viel Fett. „Ballaststoffe sind z. B: deshalb so wichtig, weil sie Flüssigkeit binden und damit die Verdauung anregen. Besonders viele sind in Getreideprodukten enthalten“, erklärt Ernährungsexpertin Claudia Witzki. Dazu gehören Vollkornmehl, Müsli und Weizenkleie. „Aber auch Obst und Gemüse, besonders Hülsenfrüchte und Nüsse, sind reich an solchen Nährstoffen.“ Damit diese ihre Funktion auch erfüllen können, brauchen sie viel Flüssigkeit. Deshalb gilt: Zwei bis drei Liter stilles Wasser oder Tee täglich müssen sein, damit der Darm seine Arbeit gut verrichten kann.
Darauf achten aber zu wenige Menschen, genauso wie auf ausreichende Bewegung. Und mit einem insgesamt trägen Körper wird auch das Verdauungssystem träge und kommt mit der Arbeit nicht mehr nach. Radfahren, Joggen oder Schwimmen tun dem ganzen Körper gut und kurbelt auch die Verdauung an.
Weitere Tipps für eine gute Verdauung:
Ein Glas Wasser nach dem Aufstehen auf nüchternen Magen regt den Darm an. So wird er an einen gesunden Rhythmus gewöhnt.
Weißwein bevorzugen: Rotwein enthält Gerbstoffe, die stopfend wirken können.
Verdauungsprobleme können auch als Nebenwirkungen von Medikamenten auftreten. Der Blick auf den Beipackzettel lohnt sich also.
Milchzucker regt die Darmbakterien auf natürliche Weise an.
Getrocknetes Obst, am Vorabend eingeweicht, wirkt aktivierend.
Wie immer auf der roten Liste: Alkohol, Nikotin und Süßigkeiten. Sie sind häufige Ursache von Verdauungsproblemen.
Ist es bereits zu spät und eine Verstopfung eingetreten, können Leinsamen helfen, von denen zweimal täglich ein bis zwei Esslöffel in Joghurt oder Müsli gerührt werden. Ihre Wirkung entfalten die Samen besonders dann, wenn sie über Nacht in kaltem oder eine halbe Stunde in warmem Wasser quellen. Auch Milchprodukte stärken die Darmflora und wirken durch die Milchsäure außerdem abführend. „Vorsicht bei medizinischen Abführmitteln“, warnt Claudia Witzki, „die lösen, wenn sie über einen längeren Zeitraum genommen werden, häufig selbst Verdauungsbeschwerden aus.“
Blähungen können schon eine Wärmflasche oder Tee mit Fenchel, Anis, Kümmel oder Pfefferminz lindern. Auch pflanzliche Bittermittel als Tropfen wie Enzian- und Angelikawurzel helfen bei Völlegefühl und sind zugleich appetitanregend.
Zwar „muss“ jeder unterschiedlich oft. Wird das stille Örtchen aber seltener als dreimal wöchentlich aufgesucht und halten die Beschwerden länger an, ist der Arzt gefragt. Denn dauerhafte Verdauungsprobleme können auch auf eine Erkrankung hinweisen.
[Quelle: BKK-Bundesverband]
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