Essstörungen: Wenn sich alles um das Essen dreht
Spätestens sei den 80er Jahren sind Essstörungen ein öffentliches Thema, denn immer mehr Menschen - zunehmend auch Männer - leiden unter krankhaftem Ernährungsverhalten, nicht selten ohne dass die nächsten Angehörigen etwas davon bemerken. Bei Essstörungen unterscheidet man zwischen Anorexie (Magersucht) und Bulimie (Ess- und Brechsucht).
Es sind Krankheiten, die im internationalen System zur Erfassung von Krankheiten (ICD) klassifiziert sind. Andere offensichtliche Störungen, wie z.B. das Essen völlig überdimensionierter Mahlzeiten oder das wiederholte über die eigene Sattheit essen sind noch nicht verbindlich als Krankheit definiert.
Eine Anorexie kann vorliegen, wenn das Wunschgewicht stets nach unten definiert wird. Die Folge: Ein neues, noch niedrigeres Gewicht wird angestrebt und erneut nach unten verschoben – ein Teufelskreis. Menschen, die an Bulimie leiden sind in der Regel normalgewichtig, dennoch sind sie davon überzeugt, "zu dick" zu sein oder zu werden. Sie haben Heißhungerattacken, bei denen sie oft Unmengen essen, um die zugeführte Nahrung gleich darauf zu erbrechen. Beide Krankheiten sind psychisch bedingt und beruhen in erster Linie auf einer gestörten Körperwahrnehmung und einer übermäßigen gedanklichen Auseinandersetzung mit den Themen Essen, Figur und Gewicht.
Eine mögliche Therapie besteht darin, die Ursachen der Essstörung zu ermitteln und zu „verarbeiten“. Denn häufig ist die Essstörung nur ein Mittel, um andere Ängste zu kontrollieren. Betroffene brauchen deshalb die Möglichkeit zu einer Auseinandersetzung mit sich selbst, um so eine Normalisierung ihrer Selbstwahrnehmung zu ermöglichen. Weil mit Freunden und Angehörigen kaum über die Krankheit gesprochen wird, bieten Selbsthilfegruppen, die man in jeder größeren Stadt oder Gemeinde findet, hilfreiche Ansprechpartner, die zudem meist wissen, welche Fachleute zur Behandlung der Störung am Ort zur Verfügung stehen.
Dr. Axel Kowalski, Diplom-Psychologe
[Quelle: BKK-Bundesverband]
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