Jogging-Schuhe: Zu viel Technik kann problematisch sein
Auch vor Sportschuhen hat die technische Entwicklung nicht halt gemacht. Repräsentierten vor gut 20 Jahren noch eine verstärkte Ferse und Gummisohlen mit Profil der Stand der Technik, so sind Laufschuhe von heute mit speziellen Halte- und Dämpfungssystemen ausgestattet und aus besonders leichten Materialien gefertigt – wobei durchaus umstritten ist, ob das wirklich sinnvoll ist oder vielleicht sogar problematisch.
Dass der Fortschritt am Fuß für Profi- und Hobbysportler nicht immer besser sein muss, haben Forscher der Universitätsklinik Freiburg nach der Auswertung zahlreicher Studien gefolgert. Sie konnten keine Beweise dafür finden, dass hoch technisches Schuhwerk den Läufer vor Verletzungen bewahrt. Im Gegenteil: Extrem starke Dämpfung in der Sohle kann das Verletzungsrisiko sogar erhöhen.
Die Erkenntnis der Forscher: Zwar ist Dämpfung wichtig, da durch sie der Aufprall unter der Ferse gemindert wird; eine zu starke Dämpfung berge jedoch auch Risiken. „Durch sie sinkt der Fuß zu sehr ein, wodurch es schnell zu Instabilitäten und Überlastungserscheinungen kommen kann. Folgen können Gelenk- und Muskelbeschwerden sein“, erklärt Dr. Hans Brauns, Facharzt an der Klinik für Sportorthopädie in Freiburg.
Auch die These, dass die Lauftechnik das Verletzungsrisiko beeinflusst, kann nach Meinung des Mediziners so pauschal nicht getroffen werden. Die Empfehlung für jeden, vor dem Joggen Unterricht in Sachen Laufen zu nehmen, hält der Facharzt jedenfalls für übertrieben. „Es gibt kein Rezept für die richtige Technik. Das Laufverhalten ist individuell und jedem von Natur aus gegeben.“ Einzig bei vorhandenen Muskel-, Gelenks- oder Knochenbeschwerden könne eine Anweisung vom Experten ratsam sein. In diesen Fällen - genauso übrigens wie bei starkem Übergewicht -, sollte nach Meinung von Dr. Brauns vorher unbedingt der Weg zum Arzt erfolgen.
Die Tatsache, dass jeder Mensch seine eigene Lauftechnik hat, heißt aber nicht, dass die Fußstellung immer korrekt ist. In manchen Fällen kann dann durch die Wahl eines entsprechend ausgelegten Schuhs gegengesteuert werden. Brauns nennt ein Beispiel: „Viele Menschen neigen dazu, beim Laufen mit dem Fuß nach innen zu knicken, wodurch bei vermehrter Belastung Beschwerden provoziert werden können.“ Ein an der Innenseite leicht gestützter, könne diese Fehlstellung korrigieren und die Gefahr reduzieren.
Wer mit dem Laufen anfängt, sollte sich daher im jedem Fall in einem Fachgeschäft beraten lassen. Dort wird das Laufverhalten im Schuh beobachtet, anschließend ein bedarfsgerechtes Modell ausgesucht. Geeignet ist das allerdings nur, wenn der Schuh groß genug ist und man sich sicher fühlt. Denn das eigene Wohlbefinden, das gute Gefühl beim Laufen sollte bei der Wahl des Schuhes immer im Vordergrund stehen, erklärt Dr. Brauns.
Statt die oft sehr teuren Schuhe mit der neuesten Technologie zu kaufen, sollten passionierte Läufer lieber auf Vielfalt setzen, meint der Orthopäde. Wer gerne und viel läuft, sollte auf mehrere Schuhe zurückgreifen, da die Modelle immer unterschiedlich geschnitten sind. Dadurch werde eine einseitige Belastung des Fußes vermieden und das Risiko vor Beschwerden und Verletzungen verringert. Außerdem schone man die einzelnen Schuhpaare vor einem schnellen Verschleiß. „Denn nach 500 bis 1000 Kilometer verlieren sie 50 Prozent ihrer Dämpfung und sollten dann als Joggingschuh zumindest überdacht werden“, so der Experte.
Wie tief man für einen guten Schuh in die Tasche greifen muss, ist schwer zu sagen, da ein hoher Preis nicht automatisch den besseren Tragekomfort verspricht. Diverse Sportfirmen werben mit den neusten und meist auch teuren Entwicklungen, von denen der Facharzt nicht viel hält. „Bei der Schuhentwicklung tut sich nicht so viel, als dass man unbedingt das neuste Modell haben muss. Viele dieser Modelle bieten Schnick-Schnack, der für ein gesundes und bequemes Joggen nicht notwendig ist.“
[Quelle: BKK-Bundesverband]
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