Rauchen - Aufhören ist möglich

Nach Erkenntnissen des vom Robert-Koch-Institut durchgeführten Gesundheitssurvey 2005 rauchen derzeit 27% der Deutschen. Angesichts vieler gravierender Schäden, die durch das Rauchen verursacht werden, ist die Nikotinentwöhnung ein zentraler Baustein der allgemeinen Krankheitsprävention.

Rauchen stellt heute in den Industrienationen eines der gravierendsten individuellen Gesundheitsrisiken dar. Der Bevölkerungsanteil regelmäßiger Raucherinnen und Raucher liegt in diesen Ländern zwischen 20% (USA) und 45% (Griechenland). Zu den Krankheiten, die bei Rauchern vermehrt auftreten, zählen Arteriosklerose, Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, Erkrankungen von Bronchien und Lunge (chronische Bronchitis, Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung) sowie Tumore der Atmungs- und Verdauungsorgane.
Viele dieser Krankheiten führen zu langfristigen Einschränkungen der Lebensqualität und des Leistungsvermögens und schlagen sich auf gesellschaftlicher Ebene in einem erhöhten Versorgungsbedarf und Produktionsausfällen infolge von z. B. Krankschreibungen und Erwerbsunfähigkeit nieder.

Angesichts der starken Verbreitung in der Bevölkerung und der hohen individuellen wie gesellschaftlichen Kosten geht die Weltgesundheitsorganisation davon aus, dass durch keine andere Präventionsstrategie ein vergleichbar hoher Zugewinn an Lebenszeit und Lebensqualität erreicht werden kann als durch eine nachhaltige Verringerung des Tabakkonsums.

Denn Nichtrauchern fehlt nicht nur nichts, sie haben auch eine ganze Menge mehr als Raucher. Sie sind gesünder, sie haben mehr Geld in der Tasche, sie werden nicht alle 45 bis 60 Minuten unruhig. Sie brauchen keine chemische Substanz, um sich entspannen zu können. Nichtraucher haben einen freieren Kopf, weil sie nicht ständig ans Rauchen denken: Habe ich genug Kleingeld? Habe ich noch Zigaretten? Reichen die bis morgen? Nichtraucher sind leistungsstärker, weil sie nicht ständig ihr Gehirn mit Kohlenmonoxid quälen und sich dadurch den Sauerstoff entziehen.

Schon nach kurzer Zeit des Nichtrauchens werden die ersten Verbesserungen spürbar. Wer sich fortan nicht mehr regelmäßig einen Giftcocktail von 4000 Chemikalien zufügt, dem wird es automatisch besser gehen – es kann gar nicht anders sein.

Schon innerhalb kurzer Zeit hat man mehr Sauerstoff im Blut, schließlich fügt man sich nicht mehr mutwillig Kohlenmonoxid zu. Und nach ein paar Tagen verschwindet meistens der Dauerhusten – die Lunge erholt sich! Und wenn sich der Husten zunächst etwas verstärkt, ist das auch ein gutes Zeichen: Die Flimmerhärchen in den Atemwegen, die durch den Qualm festgeklebt waren, richten sich auf und schaffen den Dreck nach draußen. Der Husten ist bald vorbei, und dann geht es nur noch aufwärts! Wer Luft statt Dreck atmet, hat Kraft und Energie. Die Ausdauer wird besser, die Konzentrationsfähigkeit steigt. Das Blut versorgt auch die Haut wieder mit Sauerstoff, so dass die Zellen in der Haut wieder Nährstoffe verbrennen können. Folge: Die Haut wirkt wieder frischer.

Die Nikotinabhängigkeit ist ein komplexes physisches und psychisches Geschehen, einen einfachen „Königsweg“ zur Raucherentwöhnung gibt es daher leider nicht. Wenngleich eine Reihe von Exrauchern berichten, dass sie durch reine Willenskraft mit dem Rauchen aufgehört haben, sind viele Raucher nach ihrer Entscheidung zum Rauchstopp auf Unterstützung angewiesen.

Die vielfältigen Angebote des Gesundheitswesens sind heute kaum mehr überschaubar. Neben Beratungsangeboten von Institutionen wie Krankenkassen, Fachverbänden und öffentlichen Trägern wie der BzgA bieten Selbsthilfeorganisationen, freiberufliche Therapeuten sowie die pharmazeutische Industrie Rat und Hilfe an.

Der Einsatz von Medikamenten, die eine Wirkung als „Anti-Raucher-Pille“ versprechen, ist umstritten. Mit dem Bupropion steht seit einiger Zeit ein Wirkstoff zur Verfügung, der das Rauchverlangen und Nikotinentzugssyndrome reduzieren kann. Der Einsatz dieser verschreibungspflichtigen Medikamente aus der Gruppe der Antidepressiva muss jedoch ärztlicherseits sorgfältig abgewogen werden. Da diese Therapie bislang keinen wissenschaftlich nachgewiesenen Nutzen hat, werden die Kosten nicht von Krankenkassen übernommen. Gleiches gilt für die Akupunktur, die sich in Einzelfällen zwar als hilfreich erwiesen hat, deren Wirksamkeitsbeleg bis heute aber aussteht.

Neben der körperlichen Überwindung der Nikotinabhängigkeit kommt den psychischen und sozialen Komponenten eine zentrale Rolle zu. Hier kommt es darauf an, Rauchen als Alltagshandlung zu reflektieren und sich bewusst für einen Verzicht oder (unschädliche) Ersatzhandlungen zu entscheiden. Viele Exraucher haben dabei eigene Methoden entwickelt, wie z.B. das Kauen von Kaugummi oder Zahnstochern. Das soziale Umfeld sollte auf jeden Fall unterstützend einbezogen und typische, mit dem Rauchen verbundene Situationen gemieden werden.

Bei starken Rauchern, die schon viele Versuche der Entwöhnung hinter sich haben, bietet sich eine Verhaltenstherapie an. Hier werden besonders die Verführungssituationen zum Rauchen behandelt. Durch Motivationsförderung, Aufklärung über die Mechanismen der Suchtentwicklung und den Aufbau von neuen Verhaltensweisen wird der Raucher psychisch unterstützt. Findet die Behandlung in einer Gruppe statt, so stellt die Gemeinsamkeit mit anderen entwöhnungswilligen Rauchern einen zusätzlichen Anreiz zur konsequenten Entwöhnung dar.

[Quelle: BKK-Bundesverband]